Versicherungstarife: Faktor Regionalklassen

Einen hohen Einfluss auf die Beitragshöhe Ihrer Kfz-Versicherung hat die Regionalklasse, in die Ihr Fahrzeug eingestuft wird. Regionalklassen hängen von Ihrem Zulassungsbezirk ab, also vom Sitz der für Sie zuständigen Zulassungsstelle. In Deutschland gibt es 413 Zulassungsbezirke mit:

  • 12 Regionalklassen bei der Kfz-Haftpflicht
  • 16 bei Teilkasko-Versicherungen
  • 9 bei Vollkasko-Versicherungen

Dabei gilt die einfache Formel:

Je höher die durchschnittliche Schadenssumme pro Fahrzeug in einer Region, desto teurer ist die Regionalklasse.

Wie Sie weiter unten sehen, liegen die Regionalklassen bis zum 4-fachen auseinander.

Allerdings sind die regionalen Klassen nur Empfehlungen, an die sich die Versicherungen nicht halten müssen. In der Regel übernehmen Sie die Klassen als Begründung für ihren Tarifdschungel.

Gerechtigkeit?

Regionalklassen sind nichts anderes als eine regionale Sippenhaft. Wenn Sie in Berlin wohnen und seit 30 Jahren unfallfrei fahren, müssen sie theoretisch fast doppelt so viel zahlen wie jemand, der seit 30 Jahren unfallfrei im Landkreis Wesermarsch fährt. Begründung: Andere Berliner verursachen mehr Unfälle als Fahrer auf dem Land.

„Theoretisch“ heißt: Viele Versicherungen setzen die Bezirke der Regionalklassen nicht 1:1 um, oder sie wenden statt der 413 Bezirke die 8.208 „Hauszustellungs-Postleitzahlen“ an und verlangen dessen Postleitzahl-bezogene Tarife. Wie beim Credit-Scorung der Schufa ist auch das eine Sippenhaft: Wenn Ihre Nachbarn ungünstige Schadens- und Kreditverläufe haben, nimmt man Sie mit in den gkeichen Tarif.

Gerecht sind nur individuelle Tarife. Wir warten noch auf einen Kläger, der beim Bundesverfassungsgericht gegen die „Diskriminierung nach Wohnort“ klagt. Dann haben sich Regionalklassen erledigt.

Die Faktoren innerhalb der Regionalklassen

Die Regionalklassen werden vor allem nach folgenden Schadenshäufigkeiten berechnet:

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    Versicherungstarife: Faktor wetterbedingte Schäden

    Unfälle mit Blechschaden

  • Unfälle mit Personenschaden und Schmerzensgeldern
  • Wildunfälle
  • Diebstahlschäden Vollkasko (komplettes Fahrzeug)
  • Diebstahlschäden Teilkasko (Diebstahl von Einzelteilen)
  • Sturmschäden
  • Hagelschäden
  • Hochwasserschäden
  • Vandalismusschäden
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Versicherungstarife: Faktor Unfallschaden

Da die Verkehrssituation in Großstädten generell unübersichtlicher ist als in Kleinstädten und Landkreisen, steigt auch das Unfall- und Schadensrisiko. Folglich gilt grundsätzlich: Je größer die Stadt, desto teurer wird es. Ausnahmen gibt es nur in wenigen Fällen. Zum Beispiel, wenn kleine Städte / Landkreise besonders unfallträchtige und dementsprechend höhere Schäden in ihrer Region haben.

Andererseits gibt es in Städten viel weniger Wildunfälle als in Landkreisen. Als ganz wesentlicher Faktor beeinflusst die Diebstahlhäufigkeit einer Region deren Regionalklasseneinstufung. Dabei geht es nicht nur um komplette Fahrzeuge, sondern zunehmend um Teile-Diebstähle. Organisierte Banden stehlen auf Bestellung Navigationssysteme, Multimediasysteme, Airbags samt Lenkrädern, etc.

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Teilkasko Tafriffaktor Teile-Diebstahl

Es kommt daher vor, dass in einem wohlhabenden Landkreis kaum Unfälle passieren, aber viel mehr Autos gestohlen oder ausgeschlachtet werden. Konsequenz: In einer Regionen mit wenig Unfällen und vielen Diebstählen ist die Regionalklasse für die Haftpflicht preisgünstiger, während in der gleichen Region die Teil- und Vollkaskoversicherung teurer ist.

Die Tarife der Klassen werden auch durch Versicherungsbetrug beeinflusst. In den späten 1970er-Jahren haben zum Beispiel so viele Eigentümer von 50ccm-Kleinkrafträdern defekte Motoren weggeworfen und als gestohlen gemeldet, dass die Versicherungstarife unbezahlbar wurden. Konsequenz: Der Markt für 50ccm-Kleinkrafträder war tot, und 1981 wurde mit den 80ccm-Leichtkrafträdern auch eine neue Versicherungsklasse gestartet.

Ermittlung der Regionalklassen

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Versicherungstarife: Faktor Diebstahl

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV rechnet die jeweils letzten 60 Monatsdaten in einen Index um. Der Durchschnittswert beträgt 100. Das heißt: Unter 100 ist der Versicherungsbeitrag günstiger, über 100 ist er teurer. Der GDV passt den Index und die Regionalklassen jährlich überprüft neu an und veröffentlicht sie. 2018 stufte der GDV zum Beispiel 11 Millionen Autofahrer in neue Regionaltarife ein. Für 2019 erhalten 5,4 Millionen Autofahrer in 63 Bezirken eine günstigere Regionalklasse in der Kfz-Haftpflichtversicherung, rund 5,5 Millionen Fahrer in 55 Bezirken werden heraufgestuft. In 295 Zulassungsbezirken beziehungsweise für knapp 30 Millionen Kfz-Haftpflichtversicherte bleibt es bei den Klassen des Vorjahres. Übrigens haben Autofahrer, deren Versichrung aufgrund einer höheren Regionalklasse teurer wird, ein Sonderkündigungsrecht und dürfen sich eine günstigere Versicherung suchen – zum Beispiel mit dem Versicherungsvergleich oben auf dieser Seite.

Extrem: Die günstigsten und teuersten Regionalklassen

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Versicherungstarife: Faktor Vandalismusschaden, Feuer

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV veröffentlichte 2018 folgende Statistik über die günstigsten und teuersten Regionen:

  • Günstigste Haftpflicht: Uckermark (68,01%)
  • Teuerste Haftpflicht: Offenbach (133,11%)
  • Günstigste Teilkasko: Bamberg (52,69%)
  • Teuerste Teilkasko: Ostallgäu (220,83%)
  • Günstigste Vollkasko: Wesermarsch (78,18%)
  • Teuerste Teilkasko: Berlin (142,32%)

Die Versicherung im Landkreis Ostallgäu kostet theoretisch viermal so viel wie in Bamberg, Vollkasko wäre in Berlin fast doppelt so teuer wie in der Weesermarsch, und in Offenbach wäre die Haftpflichtversicherung fast doppelt so teuer wie in der Uckermark.

Da die Regionalklassen jedoch unverbindliche Empfehlungen des GDV sind, müssen sich die Kfz Versicherungen nicht daran halten. Das ist schon deshalb sinnvoll, weil es sonst zu Ausweichreaktionen und einem katz-und-Maus Spiel zwischen Versicherungen und Versichertungsnehmern käme:

Regionalklasse senken durch Wohnsitzwechsel

Sie können Ihr Kennzeichen bei einem Wohnsitzwechsel / Umzug in einen anderen Zulassungsbezirk behalten. Das Fahrzeug muss jedoch bei der nun für Ihren Wohnsitz zuständigen Zulassungsstelle angemeldet werden. Die Einstufung in die Regionalklasse richtet sich nach dem aktuellen Wohnsitz, obwohl wenn das Kennzeichen das Alte bleibt.

Daraus ergibt sich auch eine Einsparmöglichkeit:

  • Sofern andere Nachteile nicht überwiegen (Anmeldebezirk schulpflichtiger Kinder, Kita, etc.), verlegen manche Bürger ihren Erstwohnsitz in eine möglichst günstige Region, indem sie sich über die Adresse von Freunden oder Verwandten anmelden. Ob das legal ist, ist juristisch umstritten (siehe zum Beispiel Wohnsitztricks von Eltern, die ihre Kinder in besseren Schulen anmelden wollen).
  • Für Gewerbetreibende und Unternehmen mit Niederlassungen an unterschiedlichen Orten besteht Einsparpotential durch die Auswahl des entsprechenden Zulassungsortes. Das kann auch eine reine Briefkastenadresse sein (Zum Beispiel bei Regus-Offices). Auch das ist jusristisch umstritten,
  • Fahranfänger in der Großstadt , die hohe Aufschlägen zahlen müssten, sollten – wenn möglich – ihr Fahrzeug bei den Eltern auf dem Lande bzw. in der günstigeren Kleinstadt zulassen.
  • Die Tarife unterschiedlicher Versicherungen vergleichen und durch den Versicherungsvergleich oben auf dieser Seite Geld sparen.

Listen der Regionalklassen

Wenn Sie auf diese Webseite des GDV gehen, finden Sie eine Gesamtübersicht der 16 Bundesländer. Klicken Sie auf ein Bundesland, scrollen Sie dann nach unten und öffenen Sie die pdf. So erhalten Sie 16 nach Bundesländern sortierte Listen der Regionalklassen.